Unser Balkonkraftwerk ☀️ - Fazit nach 2 Jahren

Hardware und Aufbau
Anfang 2024 haben wir uns ein Balkonkraftwerk zugelegt: Das Anker SOLIX Komplettset mit einer Solarleistung von 820 Watt und einem 1,6-kWh-Akku (E1600 der 1. Generation).
Im Set waren bereits Halterungen für das Dach enthalten. Die beiden Solarpanels haben wir auf unserer Werkstatt mit einer Ausrichtung nach Süden und einem Neigungswinkel von 45° montiert. Der Aufbau hat zu zweit einen kompletten Tag in Anspruch genommen – vor allem das Bohren durch die gemauerte Wand und das ordentliche Verlegen der Kabel erforderte etwas Geschick.
Wegen angrenzender Kastanienbäume haben wir die Panels nicht nebeneinander, sondern hintereinander aufgestellt. Damit wollten wir das Risiko minimieren, dass die Module durch herabfallende Kastanien oder Äste beschädigt werden.
Die vier Solarkabel wurden seitlich durch eine ausreichend große Bohrung in die Werkstatt geführt und dort mit dem Akku verbunden. Am Akku selbst ist der Wechselrichter (Anker M180, ebenfalls im Set enthalten) angeschlossen. Dieser speist den Strom dann direkt über eine ganz normale Schuko-Steckdose in unser Hausnetz ein.

Nutzung und Steuerung
Da wir bereits einen smarten Stromzähler besitzen, habe ich diesen mit einem Tasmota-Infrarot-Lesekopf ausgestattet. Dieser überträgt die aktuellen Energiewerte via MQTT direkt in unser Home Assistant. Auf diese Weise konnte ich über das Dashboard leicht unseren Grundstrombedarf ermitteln – also die Last, die permanent anliegt, wenn keine Großverbraucher wie Waschmaschine, Geschirrspüler oder PCs laufen. Dank sparsamer Geräte liegt unsere Grundlast bei ca. 150 Watt. Für die Einbindung in die Hausautomatisierung gibt es übrigens eine inoffizielle Integration für Anker Solix in Home Assistant.
Über die Anker-App habe ich diese 150 Watt als feste Ausgangsleistung für die Abend- und Nachtstunden eingestellt, die dann aus der Batterie ins Haus fließt. Setzt man diesen Wert zu hoch an, wird wertvoller Strom verschenkt und geht unvergütet an den Netzbetreiber, da wir für das Balkonkraftwerk keine Einspeisevergütung erhalten.
Für die Zeiten, in denen ich im Home-Office arbeite, habe ich in der App eine benötigte Leistung von ca. 300 Watt hinterlegt, da in dieser Zeit der Arbeits-PC und oft auch andere Geräte aktiv sind.
An einem durchschnittlichen Sommertag sieht der Ablauf nun wie folgt aus: Sobald morgens die Sonne aufgeht, werden maximal 150 Watt ins Hausnetz eingespeist, um Router, Kühlschrank und Co. zu versorgen. Der gesamte Überschuss wandert direkt in die Batterie. Wenn ich anfange zu arbeiten, erhöht sich die Stromabgabe ans Haus planmäßig auf 300 Watt. Da die Sonne zu dieser Zeit meist schon deutlich mehr Energie liefert, füllt sich der Akku trotzdem kontinuierlich weiter.
Wenn ich mittags koche und daran denke (!), stelle ich über die App manuell auf die maximale Ausgabe von 800 Watt um, damit der Solarstrom direkt für den Herd genutzt wird.
Nachmittags gegen 14 Uhr ist die Batterie meist vollständig geladen. Ab diesem Zeitpunkt fließt die komplette Leistung der Solarmodule direkt ins Haus (gedeckelt auf die gesetzlichen 800 Watt). Oft schalten wir genau dann den Geschirrspüler ein, um den “geschenkten” Strom optimal zu nutzen. Nach Sonnenuntergang übernimmt der Akku die Versorgung, sodass wir unseren Grundstrombedarf fast die gesamte Nacht hindurch (etwa bis 4 Uhr morgens) abdecken können. An bewölkten oder weniger sonnigen Tagen reicht es meist immerhin noch aus, um die Grundlast zeitweise etwas zu dämpfen.
Probleme und Herausforderungen
Einschränkungen im Winter: Der Speicher lässt sich im Winter kaum nutzen. Da die Werkstatt nicht beheizt ist, schaltet sich das Batteriemanagement des Akkus aus Sicherheitsgründen ab, sobald die Temperatur unter 0 °C fällt.
Zudem lässt sich der Akku systemseitig maximal bis zu einem Restwert von 5 % entladen. Vom Hersteller wird allerdings empfohlen, eine Reserve von 10 % in der Batterie zu halten, um die Lebensdauer nicht zu verkürzen. Das bedeutet, dass von den nominalen 1600 Wh real nur etwa 1440 Wh zur Verfügung stehen. Leider fehlt eine intelligente Automatik, die gerade in der kalten Jahreszeit mehr als 10 % als Winterschutz im Akku belässt. Dauert eine Frostperiode zu lange an, kann der Akkustand durch Selbstentladung unter die kritische Grenze sinken. Um Schäden zu vermeiden, haben wir den Akku im Winter komplett von der Anlage getrennt und ins warme Haus geholt.
Cloud-Zwang und mangelnde lokale Steuerung: Der Akku lässt sich ausschließlich über die Anker-Cloud ansprechen. Es ist nicht möglich, dem System lokal vorzugeben, wie viel Leistung es aktuell ins Hausnetz einspeisen soll – alles läuft zwingend über die Onlinedienste des Herstellers. Wir haben testweise versucht, die Solarmodule direkt an einen OpenDTU-fähigen Wechselrichter von Hoymiles anzuschließen. Das funktioniert technisch hervorragend, allerdings bleibt der Akku in diesem Szenario komplett außen vor und kann nicht genutzt werden.
Fehlende dynamische Regelung: Das System kann die Abgabe ins Hausnetz nicht dynamisch anhand des tatsächlichen Verbrauchs regeln. Der Tasmota-Infrarot-Lesekopf und das System von Anker Solix lassen sich in unserer Generation nicht direkt miteinander koppeln. Man muss die gewünschte Leistung also immer statisch über die Anker-App oder die Home-Assistant-Integration vorgeben. Eine dynamische Automatisierung über Home Assistant wäre zwar theoretisch denkbar, allerdings werden die Befehle zur Änderung der Einspeiseleistung vom Wechselrichter nur sehr träge umgesetzt (ich schätze die Verzögerung auf 2 bis 5 Minuten). Aus diesem Grund haben wir eine solche Automatik erst gar nicht realisiert.
Verschattung bei niedrigem Sonnenstand: Wenn die Sonne tief steht – besonders im Frühjahr, Herbst und Winter –, verschattet das vordere Modul das dahinterliegende. Dadurch geht spürbar Leistung verloren. Wer die Panels ebenfalls hintereinander aufstellt, sollte unbedingt auf einen größeren Abstand achten oder den Aufstellwinkel saisonal anpassen können.
Fehlende Priorisierung bei minimaler Solarleistung: Solange die Solarpanels auch nur den kleinsten Funken Sonne abbekommen, ist das System blockiert und gibt keinen Strom aus dem Akku an das Haus ab. Das führt zu einer absurden Situation am Abend: Während die Sonne langsam untergeht, erzeugen die Panels vielleicht nur noch magere 20 bis 50 Watt. Obwohl die Batterie zu diesem Zeitpunkt randvoll ist, speist das System stur nur diese minimale Solarleistung ein, anstatt den restlichen Grundstrombedarf aus dem Akku aufzustocken. Unser Grundbedarf wird in dieser Übergangsphase also trotz vollem Speicher nicht gedeckt.
Die Daten im Blick
Sowohl über das Energiedashboard von Home Assistant als auch über die Anker-App lässt sich unkompliziert eine Jahresauswertung erstellen:


Im gesamten Jahr 2025 haben wir durch Solarenergie 747 kWh Strom produziert. Das entspricht immerhin 35 % unseres gesamten Jahresstromverbrauchs.
Daraus ergibt sich die Frage, die uns im Bekanntenkreis am häufigsten gestellt wird: Hat sich die Anschaffung gelohnt?
Ja. Rechnet man konservativ mit einem Strompreis von 0,40 €/kWh, haben wir im vergangenen Jahr Strom im Wert von rund 300 € selbst erzeugt, den wir nicht beim Energieversorger einkaufen mussten. Damit wird sich die Anlage nach etwa 4 bis 5 Jahren amortisiert haben.
Trotz der guten Bilanz weiß ich allerdings nicht, ob ich mich noch einmal für ein System von Anker Solix entscheiden würde. Beim nächsten Mal würde ich ein offeneres System bevorzugen, das vollständig lokal und unabhängig von einer Hersteller-Cloud funktioniert.